Erste Staatliche Uhrenfabrik, Moskau


Die "Erste Staatliche Uhrenfabrik" wurde 1930 gegründet. Damit es überhaupt zu dieser Fabrikgründung kam, mußte Know-How eingeführt werden. Bezüglich der industriellen Herstellung von Uhren gab es so gut wie keine Erfahrung. Die Sowjetregierung beschloß daher am 27.12.1927 eine eigene Uhrenindustrie aufzubauen. Eine Kommission unter der Leitung von Andrej M. Bodrow machte sich daher auf, Uhrenfabriken zu kaufen. In Europa hatte man aber keinen Erfolg; die Schweiz verweigerte der Kommission sogar die Einreise. Erfolgreicher war man aber in Amerika.


TYP 1 (TИП 1 - 1.St.Uf)


Die Produktion startete auf der Grundlage der in den USA aufgekauften Fabrik "Dueber-Hampden Watch Co." und "Ansonia Clock Co." und unter Mithilfe von einigen ehemaligen Mitarbeitern dieser Fabriken.
Bezüglich der Taschenuhren baute man die vorbestehenden amerikanischen Uhrwerke weiter. Hierzu möchte ich auf das Uhrwerk "TYP 1" (TИП 1), welches identisch zum 16Sz-Präzisionsuhrwerk der Firma Hampden ist (s.o.). Ausschließlich dieses Kaliber wurde in den ersten Jahren gebaut. Erst danach begann man weitere zu lancieren.
Das Kaliber "TYP 1" (TИП 1) wurde auch in der "Zweiten Staatlichen Uhrenfabrik, Moskau" gefertigt. Beide Kaliber sind unterscheidbar: 1.St.Uf: Ankerbrücke, gezackte Sperrklinke, mit Winkelheber; 2.St.Uf: Ankerkloben, runde Sperrklinke, ohne Winkelheber. Anfangs hatten die Uhrwerke keine Bildmarken, sondern den Schriftzug: "1uй ГOCЧAC3ABOД MOCКBA CCCP".



Ab 1936 erhielten die Uhren eine Bildmarke (s.o.), die bis in die Nachkriegszeit verwendet wurde. Militärische Uhren hatten keine.


Sergei Mironowitsch Kirow (07.03.1886-01.12.1934)


1935 erhielt die Fabrik den Namenzusatz "Kirow". Mit dem Namen sollte der verdiente sowjetische Staats- und Parteifunktionär Sergei Mironowitsch Kirow geehrte werden. Er galt als getreuer Folgsmann von Stalin. Aber am 01.12.1934 wurde er in ´Leningrad´ erschossen. Es wird vermutet, dass er bei Stalin in Ungnade gefallen war. Auf den Zifferblättern fand sich deshalb zusätzlich der Schriftzug: "КИPOB"

Im Rahmen einer Modernisierung Mitte der 30er (der Dueber-Maschinenpark war inzwischen veraltet und verbraucht) wurden neue Maschinen gekauft, aber auch selbst hergestellt. Ab 1936 kam es in diesem Zusammenhang zur Erweiterung der Kaliberpalette (bis dahin wurde nur das "Typ 1" (TИП 1) gefertigt).
Nach Kriegsbeginn (2.WK) wurde die Fabrik teilweise nach Slatoust und nach Tscheljabinsk evakuiert. Nach Kriegsende erfolgte die Rückkehr nach Moskau und Umbenennung in "Erste Moskauer Uhrenfabrik". Beim Wiederaufbau wurde auf Reparationen aus der Sowjetischen Besatzungszone (Glashütte) zurückgegriffen.
Zu Beginn wurden Taschenuhren produziert, später auch Armbanduhren, Borduhren für Flugzeuge und Kfz sowie Marinechronometer. Uhren aus der Ersten Moskauer Uhrenfabrik gehörten zur Ausrüstung der Sowjetischen Militärflieger und der Kosmonauten, Juri Gagarin benutzte während seines Fluges z.B. eine Sturmanskije.
Die bekannteste Marke der ersten Moskauer Uhrenfabrik ist "Poljot" (Пoлёт = Flug). Weitere Marken sind "Wympel" (Вымлел), "Pobeda" (Пoвeдa = Sieg), "Kirowskije" (Кировские), "Sportiwnyje" (Спортивные), "Sturmanskije" (Штypмaнскиe = Steuermann), "Strela" (Стрела), "Antarktida" (Антарктида) und "Cornavin" (international). Die erste Moskauer Uhrenfabrik existiert heute noch.


weitere Bildmarken



Molnia (Moлния = Blitz)


Nach der Rückkehr der ersten Moskauer Uhrenfabrik nach Moskau wurde die in Tscheljabinsk verbliebene Produktionsstätte weiter für die Uhrenproduktion genutzt. Dafür erhielt sie den neuen Namen "Molnia" (Moлния = Blitz). Die Produkte der neuen Fabrik waren Borduhren, aber vorallem auch Taschenuhren. 2008 wurde die Produktion eingestellt.


Slatousker Uhrenfabrik



Auch die ausgelagerte Fabrik in Slatoust wurde nach 1943 weitergeführt. Zunächst wurden Taschenuhren, später auch Armbanduhren gebaut. Heute konzentriert sich die Firma vorwiegend auf Stoppuhren der Marke "Agat" (Aгaт = Achat);





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