Minerva



Im Jahr 1858 gründeten die Brüder Charles-Yvan Robert (1840-1912) und Hyppolite Robert eine Etablissagewerkstatt in Villeret (CH) unter dem Namen "H. & C. Robert". Ein Etablisseur ist ein Unternehmer, der einzelne Uhrenteile zusammenträgt und zu einer kompletten Uhr zusammenbaut (etabliert). Erst nachdem die Gründer die Werkstatt an die Söhne Charles, Georges (1880) und Yvan Robert (1885) übergeben hatten, entwickelte sich die Firma zunehmend zu einer echten Uhrenmanufaktur.



Yvan Robert

Die Manufaktur hieß ab 1885 dann auch "Robert Frères Villeret". Das Logo war "RFV" mit einem Pfeil (siehe oben). Kurze Zeit später wurde der Name mit dem Zusatz "Fabrique des Faverges" ergänzt (also "Robert Frères, Fabrique des Faverges").
Im gleichen Jahr wurde die Firma mit Medaillen an der "Expositions universelles" in Anvers ausgezeichnet. Auf der Pariser Weltausstellung 1889 erhielt sie weitere Auszeichnungen.
Eigene Uhrwerke und Gehäuse wurden ab 1895 entwickelt. Das erste eigene Kaliber war das 18-linige Cylinderwerk mit der Bezeichnung "18-1". Es wurde bis 1941 gebaut.



Minerva-Cylinderwerk "18-1"

Um 1900 stellte die Manufaktur auch das erste Ankerkaliber vor. Es handelt sich dabei um das 19-linige Kaliber mit der Bezeichnung "19-3". Dieses Werk wurde von Anfang an in besonders hochwertiger Ausführung mit Feinreglage, verschraubten Goldchatons und mehrfach "adjusted" gebaut.



Minerva-Ankerwerk "19-3"

Im Jahr 1887 sicherte sich die Firma die Marke "Minerva". Weitere Marken waren "Faverges" und "Mercure" (jeweils 1886), "Ariana", "Tropic" und "Hertha" / "Herta" (jeweils 1898), "Rhenus" (1906) sowie "Arval", "Bahnzeit", "Majex", "Mare Nostrum", "Minerva", "Minerva Sport" und "Villeret".
Ab 1908 erweiterte man das Repertoire um Chronographen und Stoppuhren. Das erste Chrongraphenkaliber hatte die Bezeichnung "19-9CH".



Minerva-Chrongraphenwerk "19-9CH"

Ab 1909 wurden auch Armbanduhren gebaut. Berühmt wurde das ab 1920 gebaute 12 ¾-linige Chronographenkaliber "13-20CH". Es ist heute eine Sammlerrarität, da es nur noch selten zu finden ist.



Minerva-Chrongraphenwerk "13-20CH"

Im Jahr 1923 benannte sich die Firma in "Fabrique Minerva, Robert Freres S.A." und im Jahr 1929 in "Minerva S.A." um. Am 12. Juni 1935 wurde die "Minerva S.A." von der Gründerfamilie Robert an Charles Haussener (Leiter der Rohwerkefertigung) und Jacques Pelot (Leiter der Entwicklungsabteilung) abgegeben.
Diese führten die Firma erfolgreich durch die folgenden Jahrzehnte. Beispielsweise wurde sie offizieller Ausrüster bei den Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen. Auch die Kriegsvorbereitungen waren für die Manufaktur sehr lukrativ, da Chronographen und Bombenabwurfstoppuhren von allen Seiten benötigt wurden.
Interessant ist eine patentierte Entwicklung von Jacques Pelot, der die Flachfeder durch Spiralfeder ersetzte.



Minerva-Patent mit Spiralfedern

Interessant sind auch die Kaliber "48" und "49". Es handelte sich dabei um Design-Werke, bei denen das Werk nach dem sogn. ´goldenen Schnitt´ ausrichtete ist. Es galt und gilt noch heute als das schönste Minervakaliber. Der Entwickler war ein Neffe von Jacques Pelot und hieß André Frey.



Minerva-Kaliber "49"

André Frey (*1913) war 1940 in die Firma eingetreten. Der Physiker und Uhrentechniker hatte zuvor vier Jahre bei LIP in Besançon als Ingenieur gearbeitet. Er übernahm 1955 die Anteile seines Onkels. Die Anteile von Charles Haussener gingen 1960 an seinen Schwiegersohn Maurice Favre, der sie 1989 an André Frey und dessen Sohn Jean-Jacques Frey abtrat.
Im Jahr 2000 verkaufte man die Firma bei wirtschaftlichen Problemen an eine italienische Firma. Diese verkaufte sie im Jahr 2006 weiter an die Richemont-Gruppe. Sie existiert heute noch.





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