Longines


Auguste Agassiz (*15.04.1809 Môtier, +25.2.1877 Lausanne) gilt als Gründer der Uhrenmanufaktur Longines. Er war der Bruder des berühmten Naturforschers Louis Agassiz (28.05.1907-14.12.1873).



Auguste war der Sohn des Gemeindepfarrers Louis Benjamin Rodolphe und der Rose geb. Mayor von Môtier. Nach der Schulzeit begab er sich in die Lehre des Bankhauses Mayor-Fornachon in Neuchâtel. Anschließend ging er nach Saint Imier und gründete am 14.08.1832 eine Etablissagewerkstatt zusammen mit Henri Raiguel und Florian Morel unter der Bezeichnung "Raiguel Jeune & Cie." (1832 gilt seitdem als Gründungsjahr von Longines).
Uhren aus dem Hause galten als besonders robust. Auf Messen erlangten sie, die im "Stil von Saint Imier" hergestellt wurden, einen excellenten Ruf und waren in Europa sehr gefragt. Die Uhrwerke bezog er von der Ebauche-Firma Robert Japy (eigene Kaliber wurden erst ab 1867 hergestellt). 1838 stieg Henri Raiguel aus dem Geschäft aus und die Manufaktur wurde umfirmiert in "Agassiz & Cie." (Sie darf nicht mit der Firma "Agassiz Watch Co. Geneva", welche vom Sohn Georges Agassiz (1846-1910) im Jahr 1876 gegründet wurde, verwechselt werden). Mit Hilfe seines Cousins Auguste Mayor gelang der Verkauf auch in die USA. Ab 1847 war Agassiz alleiniger Inhaber der Firma.
1852 führte er seinen Neffen Ernest Françillon (*10.07.1834 Lausanne, +03.04.1900 Saint Imier) in sein Geschäft ein und übergab die Leitung 1854 an ihm und an François Secretan; er selbst zog sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Am 25.02.1877 verstarb er in Lausanne. Ab 01.07.1862 war Ernest Françillon alleiniger Besitzer.



Françillon war der Sohn des Eisenhändlers Marc Françillon und seiner Frau Olympe geb. Agassiz aus Lausanne. Nach der Schulzeit besuchte er das Collège Galliard in Lausanne, das Institut Sillig in Vevey und die Handelsschule in Stuttgart. Anschließend absolvierte er eine Uhrmacherlehre in Môtier und stieg dann wie oben erwähnt in den Betrieb seines Onkels in Saint Imier ein.
1866 erwirbt Ernest Françillon Land etwas ausserhalb von Saint Imier. Dieses Gelände wurde bereits zuvor "Les Longines" genannt. Françillon ließ hier ein neues Fabrikationsgebäude errichten und löste damit als eine der ersten Uhrenmanufakturen die Heimarbeit durch Fabrikfertigung ab. Dazu war es notwendig Maschinen aufzustellen. Mit diesen wurde ein Standard entwickelt, der für Uhrwerke Grundlage für Austauschbarkeit einzelner Uhrwerksteile wurde. Uhren, die dieses Gebäude verließen erhielten die Signatur "E. Francillon Longines".



Das erste eigene Uhrwerk wurde im Jahr 1867 vorgestellt (Kaliber 20A). Es folgten weitere Kaliber mit denen Francillon sich auf Messen und Austellungen präsentierte. 1878 wurde eine Uhr auf der Pariser Weltausstellung sogar prämiert. Die Qualität seiner Uhren sprach sich schnell herum und führte schon bald zu Fälschungen. Um dem zu begegnen kennzeichnete Francillon seine Uhren mit der geflügelten Sanduhr auf dem Werk. Dieses Logo meldete er am 27.05.1889 beim Schweizerischem Patentamt in Bern an. Es ist damit das älteste noch heute verwendete Wahrenzeichen der Welt.



Als weitere Neuerung in der Uhrenproduktion führte Francillon die Massenfertigung in hoher Qualität ein. Dazu schickte er zuvor im Jahr 1876 den Ingenieur Jaques David (Technischer Direktor seit 1873) in die USA um dort die Produktionsmethoden zu untersuchen. Insbesondere begab er sich zu Waltham und Elgin. Die Rückständigkeit der schweizerischen Uhrenherstellung war zu offensichtlich, als dass sich Francillon dem Fortschritt verschließen konnte.



1878 beginnt die Manufaktur mit der Herstellung von Chronographen, die zu einer weltweit gefragten Spezialität des Hauses wurde. Hierzu wurde ein Chronographenmodul auf das Kaliber 20L gesetzt. Das Modul war eine patentierte Entwicklung von Alfred Lugrin, dem Begründer der Manufaktur Lemania. Das Kaliber erhielt den Namen 20H (Abb.s.o.).
Ihren ersten großen Einsatz hatten sie bei den von Pierre de Coubertin wiederbelebten ersten Olympischen Spielen 1896 in Athen. Longines-Chronographen waren nämlich in der Lage auf die Fünftel-Sekunde genau zu messen. Legendär war aber auch das Chronographen-Kaliber 19.73N mit Schleppzeiger-Mechanismus sowie der erste Armbandchronograph mit dem Kaliber 13.33Z (1912 lanciert).
Beim eidgenössischen Turnfest in Basel im Jahr 1912 wurde ein Sportzeitmesser mit einem von Longines selbst entwickeltem elektromechanischem System verwendet (System des durchgetrennten Fadens). Seitdem ist Longines bei Sportveranstaltungen unabdingbar.



Auch in der Präzisionsuhrenfabrikation begann man sich zu etablieren. 1888 wurde das Kaliber 21.59 vorgestellt, welches problemlos die Chronometerprüfung bestand. Eine mit diesem Kaliber ausgestattete Taschenuhr namens "La Renommée" gewann auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 den Grand Prix. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Longines-Chronometer bei den Expeditionen von Locatelli, Amundsen und Byrd verwendet.

Für den weltweiten Erfolg von Longines (damals hieß die Firma noch "E. Francillon & Cie.") war eine Firma in Amerika namens "Wittnauer" ausschlaggebend. Ein gewisser Eugène Robert, der aus La Chaux-de-Fonds stammte und Albert C. Wittnauer (1856-1908) schlossen sich im Jahr 1845 zusammen um eine Uhrenhandlung zu gründen. Es wurden dabei Uhren der Schweizer Firmen Longines, Agassiz, Angelus, Stolz, Girard-Perregaux und Louis Audemars angeboten. Wittnauer unterhielt mehere Agenturen in den USA und Kanada. Aus zollrechtlichen Gründen wurden die Uhren in Einzelteilen nach Amerika geliefert und dort erst zusammengesetzt. Ein erster Kontrakt zwischen Francillon und Eugène Robert wurde 1877 geschlossen. Bei diesem verpflichtete sich Robert 12000 Uhren abzunehmen. (1890 stieg Robert aus und Albert C. Wittnauer wurde alleiniger Besitzer des Handelshauses).



Als im Jahr 1900 Ernest Françillon starb übernahmen Jaques David, Baptiste Savoye und Louis Gagnebin die Leitung der Fabrik. In der Schaffenszeit Francillon veröffentlichte die Firma mehrere Patente: No.723, 745, 3864, 9236, (Remontoirmechanismus); No.3884, 19783 (Feinreglage); No.17682 (Speerfeder);
Nach der Jahrhundertwende setzte sich der Boom der Firma Longines, wie oben bereits angedeutet, fort. Dies äußerte sich in einer außergewöhnlichen Steigerung der Produktionszahlen und der Herstellung von höchstqualitativen Uhren wie z.B einer Minutenrepetitionsuhr. Schon früh suchte die Firma die Nähe zur Fliegerei. Admiral Richard Byrd trug bei seinem Antarktisflug 1929 eine Longines Weems (benannt nach einem berühmten Navigationsoffizier). Diese Uhr erlaubte die sekundengenaue Einstellung. Ein Chronometer von Longines befand sich an Bord des Luftschiffs Graf Zeppelin. Eine weitere bekannte Uhr war die Lindenbergh-Stundenwinkeluhr. Berühmt aber war der Siderograph von 1938, bei dem der Tag zur exakten Längengradbestimmung in 360 Grad aufgeteilt war.




Weitere "Meilensteine" von Longines sind in einem interessanten Artikel in der Uhrenzeitschrift "Chronos" (01.2012) aufgelistet. Seit 1982 gehört die Manufaktur zum SMH-Konzern.


Longines-Kal.19.58: 19'''; 16 Jew.; 18000 A/h; Ankerw.; Sav.; Feinregl.

Longines-Kal.19.75: 19'''; 15 Jew.; 18000 A/h; Ankerw.; Lep.

Longines-Kal.19.73N: 18.75'''; 15 Jew.; 18000 A/h; Ankerw.; Chronogr;
Schaltr.; 60s-30m; Lep.

Longines-Kal.18.79: 17.75'''; 17 Jew.; 18000 A/h; Ankerw.; Lep.;
Feinregl.; Adjusted

Longines-Kal.19A: 19'''; 15 Jew.; 18000 A/h; Ankerw.; Lep.




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