Kienzle



Als Gründungsdatum gilt das Jahr 1822. In diesem Jahr eröffnete nämlich der Uhrmachermeister Johannes Schlenker (1787–1864) ein Uhrmachergeschäft in Schwenningen. Anfangs vertrieb Schlenker als Hausierer handgefertigte Schwarzwalduhren. Das Geschäft übergab er seinem Sohn Christian Schlenker (+1885). Dieser übergab es am 18.04.1883 wiederum seinem Sohn Carl Johannes Schlenker (*05.06.1861,+22.10.1936 i.Stuttgart, verheiratet m. Anna Maria, geb. Schuler (*13.11.1866), zwei Töchter). Der Schlenkersche Betrieb war vorwiegend auf den Handel mit Uhren spezialisiert. Erst mit dem Zusammengehen von Carl Johannes Schlenker und dessen Schwager Jakob Kienzle kann von einer Uhrenfabrikation gesprochen werden und darf als der eigentliche Gründungszeitpunkt angesehen werden.



Der Zusammenschluß erfolgte 1883. Die Firma firmierte unter dem Namen "Schlenker & Kienzle" und fertigte serienmäßig Wecker und 14-Tage-Regulatorwerke mit Stahltrieben. Als Firmenlogo entschied man sich für das sogenannte "Flügelrad".



Jakob Kienzle (1934)

Jakob Kienzle kam am 12.04.1859 als Sohn eines Getreidehändlers in Schwenningen zur Welt. Bereits drei Monate vor seiner Geburt verstarb sein leiblicher Vater. Die Schwester von Jakobs Vater war mit Friedrich Mauthe, dem Gründer der Uhrenfabrik "Mauthe" verheiratet. Dieser übernahm die Vormundschaft des Kindes und führte ihn nach seinem Realschulabschluß mit 14 Jahren in den eigenen Betrieb ein. Jakob erlernte hier die Grundlagen der Uhrenfabrikation und stieg im Verlauf bis zum Buchhalter auf. Zwischenzeitlich ging er von 1873-1879 in einen Kolonialwarenbetrieb nach Triberg in die kaufmännische Lehre und in eine Weberei in Mühlenhofen am Bodensee. Wegen Zwistigkeiten verließ Jakob die Uhrenfabrik "Mauthe" und ging zu Schlenker, woraus, wie oben ausgeführt, der Zusammensnschluß entstand. Ebenfalls im Jahr 1883 heiratete er Agatha, geb. Schlenker (*1863,+1931), die Schwester seines Geschäftspartners.



Das Haus des Schlenkerschen Betriebes wurde umgebaut. Dabei entstanden aus dem Scheuer und der Stallung Werkstätten in denen Drehbänke und Poliermaschinen aufgestellt wurden. Zügig ging man an die Erweiterung der Gebäude. In der Nähe des Schwenninger Bahnhofs wurde eine Schloß- und Beschlagfabrik aufgekauft, in welcher eine 10 PS Antriebsmaschine aufgestellt wurde. Ausserdem legte man sich eine eigene Messinggießerei für Rohgußstücke zu. Durch Verbesserung der Fabrikationsmethoden konnten die Preise der Uhren gesenkt und der Absatz erhöht werden. Nach fünf Jahren war die Belegschaft bereits auf 200 Mann angewachsen.
Hohe Einfuhrzölle in Österreich /Ungarn machten die Eröffnung eines Zweigbetriebes in Komotau in Böhmen notwendig. Weitere Niederlassungen wurden in den Folgejahren in Mailand, Paris und London gegründet. 1898 schied Carl Johannes Schlenker aus der gemeinsamen Firma aus. Er wurde übrigens vom württembergischen Königshaus für seine Verdienste zum Geheimen Hofrat ernannt. Mit dem Ausscheiden von Schlenker wurde Jakob Kienzle Alleininhaber der Fabrik und benannte sie aber erst 1919 in "Kienzle Uhrenfabrikation" um.



Der Aufschwung machte Neu- und Erweiterungsbauten erforderlich. Im Jahr 1908, also 25 Jahre nach der 'Gündung' belief sich die Belegschaft bereits auf 1500 Mann. Wenige Jahre später waren es schon 2000 Mann. Lange Reisen Kienzles durch Europa und Amerika machten die Produkte weltweit bekannt. Mit Beginn des 1.WK war die Belgschaft auf 3000 Mann angewachsen. Während des Krieges wurde die Uhrenproduktion zugunsten von Zündern zurückgefahren. Der Staat honorierte seinen Einsatz mit der Verleihung des Titels "Geheimer Kommerzienrat" (1917).
Nach dem Krieg begann der Neuaufbau der Uhrenproduktion, wobei er von seinem zweitältesten Sohn Dr.-Ing. Herbert Kienzle (*03.06.1887,+20.03.1954 i. Villingen) bei der betriebstechnischen Umstellung unterstützt wurde (während des Krieges verlor er drei Söhne und eine Tochter und einen Schwiegersohn). Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft namens "Kienzle Uhrenfabriken A.G." im Jahr 1919 zog sich Jakob aus dem aktiven Geschäftsbereich zurück und wurde Aufsichtsratsvorsitzender (1927 Ehrenbürgerwürde der Stadt Schwenningen und 1929 Ehrendoktorwürde der Technische Hochschule Stuttgart). Jakob Kienzle verstarb am 25.02.1935 an den Folgen einer Lungenentzündung.



Herbert Kienzle

Seine Söhne Herbert und Christian Kienzle übernahmen 1919 die Führung des Betriebes (nach dem frühen Tod von Christian hatte Herbert die alleinige Geschäftsleitung inne). Es begann die Zeit der Produktion von Armbanduhren ab dem Jahr 1923 mit dem Stiftankerkaliber "51" (insgesamt 25000000 mal hergestellt).



Kaliber 51

Herbert gründete 1928/29 im Nachbarort Villingen die "Kienzle Taxameter und Apparate AG" , die spätere "Kienzle Apparate GmbH" und schied damit aus dem Vorstand der Kienzle Uhrenfabriaktion aus. Die neue Firma übernahm dabei das Geschäft mit Kontrollinstrumenten für den Automobilbereich. Zusammen mit seinem Chefentwickler Paul Riegger entwickelte Herbert den sogenannten Tachographen. Nach dem 2.WK stieg er ins Büromaschinenegeschäft ein. Herberts Söhne übenrnahmen nach dessen Tod die Firma und bauten sie zu einem bedeutenden deutschen High-Tech-Industrieunternehmen aus.



Die Leitung der Uhrenfabrikation ging an Hellmut Kienzle (*1900,+16.02.1962) einem weiteren Sohn von Jakob nach dem Rückzug von Herbert über. Dieser organisierte im Jahr 1928 den Zusammenschluß mit der Firma Th.E.Haller, einem in wirtschaftliche Bedrägnis geratene Hersteller von Stiftanker-Taschenuhren. Die neue Firma erhielt den Namen "Kienzle-Haller A.G.".
1931 übernahm man die Aktien und Firmengebäude der "Dufa".
Nach dem 2.WK wurde Kienzle demontiert. Das Werk in Böhmen ging verloren. Der anschließende Wiederaufbau wurde in den Folgejahren erfolgreich bewältigt. 1955 wurde ein elektromechanisches Werk lanciert. 1960 erwarb Hellmut Kienzle eine Weckerfabrik in Brasilien. Deren Uhren wurden unter dem Namen "Alfa" vertrieben. 1963 wurde eine Solaruhr unter der Bezeichnung "Heliomat" entwickelt.



In den 60gern ging die wirtschaftliche Entwicklung bergab. Die Aktien wurden verkauft und Kienzle wurde 1965 in eine GmbH verwandelt. 1969 ging Kienzle an den Motorradhersteller Kreidler in Stuttgart Zuffenhausen über. Die Uhrenproduktion ging aber weiter. Unter der Bezeichnung "Alfa" wurden Wecker bei 'Horten' und 'Hertie' verkauft. Armbanduhren hielten sich noch lange am Markt. Entwickelt wurde 1956 der sogenannte "Volksautomat" einer Automatik mit beidseitiger Rotor-Drehrichtung. 1972 wurde das erste Armbanduhren-Quartzwerk lanciert. Es folgte die Quarz-LED-Armbanduhr. Eine Besonderheit war die 1986 entwickelte Solararmbanduhr mit geringem Lichtbedarf. 1990 wurde eine Uhr entwickelt, die einen Wasserdruck von 12000 m Tiefe aushielt. Als erster Hersteller weltweit lanciert Kienzle im selben Jahr einen Funkwecker. Auch das Geschäft mit Autouhren (geliefert wurde an "VDO") lief weiter.
All diese Entwicklungen konnten den wirtschaftlichen Abstieg der Firma aber nicht aufhalten. 1997 wurde Kienzle von der Gruppe Highway Holdings übernommen. 2002 kehrte das Unternehmen mit der Gründung der Kienzle AG nach Deutschland (Hamburg) zurück. 2011 war die Firma insovent und wird zur Zeit mit einer neuen Strategie neu aufgebaut.





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