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Audemars Piguet

Audemars Piguet ist eine Schweizerische Uhren-Manufaktur. Sie gehörte von Anfang zu den feinsten Herstellern von Ebauche und auch kompletten Uhren. Die Kundschaft war daher schon immer exclusiv.
Im Jahr 1875 begann der Uhrmacher Jules-Louis Audemars (*1851 Le Brassus, +1918) in Le Brassus im Vallee de Joux mit der Herstellung von Uhren. Er hatte zuvor eine Ausbildung als Repasseur beendet. Anschließend eröffnete er 1874 eine eigene Werkstatt in Gimel. 18 Monate später kehrte er nach Le Brassus zurück um wie oben gesagt hier die besagte Manufaktur zu gründen.

Sein Freund und Kollege Edward-Auguste Piguet (*1853, +1919), mit ähnlichem Werdegang und ebenfalls Repasseur, half ihm bei der Arbeit.

Aufgrund erfolgreicher Geschäfte lag es nahe eine Manufaktur zu gründen. 1889 (im juristischem Sinne) entstand die Firma "Audemars Piguet, Manufacture d´Horlogerie". Tatsächlich existierte die Firma praktisch bereits seit 1881. Aus vertrieblichen Gründen gründete man in Genf eine Zweigstelle. Dieses erlaubte die Markung der Uhrwerke mit 'Geneve'. Beide ergänzten sich dabei in idealer Weise. Jules Audemar war technischer Direktor und unternahm Auslandsreisen. Er war auch der Inhaber bedeutender Patente in den USA und der Schweiz. Edward Piguet war Finanzexperte und engagierte sich in der Lokalpolitik.
Man konzentrierte sich sofort auf Uhren und Uhrwerke von höchster Qualität mit Komplikationen. Dabei wurden sämtliche Uhrwerksteile im Gegensatz zur Konkurrenz selbst produziert. So wurde bereits 1882 die erste Taschenuhr mit ewigem Kalender hergestellt. Es folgten Chronographen und Minutenrepetitionsuhren. Honorierte wurde die Firma mit einer Medaille auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1889 für ihre Taschenuhr 'Grande Complication'. Diese Uhr verfügte neben der Minutenrepetition auch noch über einen ewigen Kalender und einer Rattrapante. 1891 baute sie das kleinste Uhrwerk mit Minutenrepetition gefolgt von der weltweit ersten Armbanduhr mit derselben Komplikation. Interessant ist noch das die 'Grande Complication' von 1976 bis 1990 ausschließlich von nur einem Meisteruhrmacher gebaut wurde.
Für Sammler ist es interessant zu wissen, dass viele Uhrwerke ungemarkt die Manufaktur verliessen und vom Käufer mit dem eigenen Firmenemblem versehen wurden.
Emile LeCoultre (*~1845, +02.02.1921 Genf), der ersten Leiter der Uhrenschule in Le Sentier, arbeitete im Jahr 1889 für einige Monate bei "AP".
Zur Kundschaft der Manufaktur gehörte alles was Rang und Namen hatte, z.B. "Dent" und "Frodsham" London, "Tiffany" New York und Paris, "Cartier" und "Breguet" Paris, "Bulgari" Rom, "Dürrstein" Glashütte und Dresden, "Wittnauer" New York, "Bayer, Pretzfeld & Mills" New York.
Auch der Sohn von Emile LeCoultre, Francois LeCoultre (*14.12.1883, +25.01.1965 Genf) begann im Jahr 1893 seine Karriere bei "AP". Später ging er zu "Golay Fils & Stahl" und später als Professor zur Ecole d'Horologerie Genf. Er war auch der Autor des Buches "A Guide to complicated Watches". Eine weitere berühmte Uhrmacherpersönlichkeit, die mit "AP" in Verbindung gebracht wird und dort auch arbeitete, war Charles Ami LeCoultre (*04.06.1843 La Golisse, +1921). Dieser wurde bekannt durch eine hochkomplizierte Uhr namens "La Merveilleuse". Diese Uhren besassen die Funktionen: Chronograph, ewiger Kalender, Thermometer und Gangreserveanzeige.

1907 wurde die Firma durch ein neues Gebäude erweitert. Um mit den technischen Innovationen mitzuhalten, wurde auch eine Dampfmaschine installiert. 1909 wurden 'extra-thin' (7mm) und 'ultra-thin' (4mm) Modelle (16-19''') vorgestellt. Dünne Uhrwerke waren ab diesem Zeitpunkt ein Markenzeichen der Manufaktur. Die Krönung ihrer Uhrmacherischen Leistung ist unbestritten aber eine Uhr, die auf der Genfer Ausstellung im Jahr 1915 vorgestellt wurde. Es war eine Uhr mit doppeltem Zifferblatt, Grande und Petite Sonnerie, Stunden-, Viertel- und Minutenrepetition, Sonnenauf- und untergangs-Anzeige, Äquationszeit, Mondphase, Thermometer, kleine Sekunde, 24-Stundenzifferblatt, Monats-, Tages- und Jahresanzeige, Tierkreisanzeige, 32-Stundengangdauer mit _Gangreserveanzeige, Kalender über 50 Jahre, Jahreszeiten-, Sonnenwendeanzeige sowie Anzeige der Tag-und Nachtgleiche. Die Uhr wurde im Auftrag der Firma "Guignard & Golay" im Jahr 1914 begonnen und 1921 ausgeliefert. Sie hatte die Werknummer 16869.
Als Edelmanufaktur überstand die Firma die anschließenden Jahre nach der Jahrhundertwende der Depression und Rezession sowie den 1.WK schadlos.
In diesen Jahren übernahmen die Söhne der beiden Gründer, Paul Louis Audemars (*1881, +1969) und Paul Edward Piguet (*1890, +1979) peu à peu die Geschicke der Manufaktur. Diese folgten dem Zeitgeschmack und konzentrierten sich auf die Herstellung hochwertigster Armbanduhren. Beispielsweise verkaufte die Firma 1920 die kleinste jemals gebaute Minutenrepetitionsuhr. Das Werk hatte nur einen Durchmesser von 16mm. Getoppt wurde sie durch eine 5-Minutenrepetitionsuhr mit einem Durchmesser von 14mm. 1925 wurde das dünnste jemals gebaute Taschenuhrwerk vorgestellt mit einer Werkhöhe von nur 1,32mm.
Die Bedrohung durch die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 führte 1932/33 beinahe zum Konkurs. "AP" verlor nämlich ein Großteil seiner Amerikanischen Klienten. Erst der hohe Bedarf an Armbandchronographen im zweiten Weltkrieg brachte die Manufaktur wieder auf Kurs. Die Uhren waren mit dem 13''' Valjouxwerk ausgestattet. 1934 lancierte sie Skeletttaschenuhren. Diese wurden bis in die 1980er vertrieben.
Georges Golay und Maurice Goy übernahmen in den 50ern das Managment unter der Führung von Jaques Louis Audemars. 1966 wurde Georges Golay Präsident. Audemars Piguet besitzt inzwischen die Mehrheit über die Firma Renaud & Papi (gegründet von Dominique Renaud und Giulio Papi) in Le Locle. Hier befindet sich heute die High-Tech-Abteilung.
Die bekannteste Uhr der Firma ist die 1972 erstmalig vorgestellte "Royal Oak"

Kennzeichen der Uhr war das sichtbar verschraubte 8-eckige Gehäuse (Bullaugendesign). Designt wurde sie von keinem geringeren als Gérald Genta (*01.05.1931 Genf, +17.08.2011). Ausgestattet war die Uhr zunächst mit dem extraflachen (2,45mm) Automatikkaliber (dem dünnsten jemals gebautem Autmatikwerk mit zentralem Rotor überhaupt AP 2120.

Mit dieser Uhr feierte die Firma ihren größten Erfolg. Sie wird noch heute gebaut. In der Kalenderversion hat es eine Höhe von 3,05mm, ebenfalls bis heute unerreicht. Extraflache Uhren sind bis heute eine Spezialität der Firma.
Eine Taschenuhr namens 'Grande Complikation' wird bei "AP" seit 1889 gebaut. Diese Uhr ist so kompliziert (Minutenrepetition, ewiger Kalender, Chronograph Rattrapante), dass nur ein Exemplar pro Jahr gebaut werden kann. Jeder Leser kann sich leicht ausrechnen wieviele Uhren es davon gibt.
Die Manufaktur existiert noch heute und wurde von ihren Gründerfamilien nie veräußert.




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