Louis Wille



Louis Wille (1865-1939)

Louis Wille war ein bekannter deutscher Chronometermacher. Er wurde am 04. Mai 1865 in Ammendorf bei Halle geboren. Über seine Kindheit und über sein Elternhaus ist nichts bekannt.
Die Uhrmacherei erlernte er in Halle bei seinem Meister Ed. Ballje von 1879 bis 1883. Anschließend ging er für 12 Jahre als Gehilfe auf Wanderschaft, zunächst zum Hofuhrmacher Thymig, Dresden und danach zum Hofuhrmacher Karp, Darmstadt.



aus "Deutsche Uhrmacher-Zeitung" Jg.1923

In dieser Zeit vertiefte er seine Kenntnisse und konnte daraufhin eine Stelle als Werkmeister antreten. Diese erhielt er bei der Firma Döring in Leipzig. Dort blieb er sechs Jahre. Es schlossen sich ab 1895 einige Jahre als selbstständiger Uhrmacher in Leipzig an. In seinem Geschäft bot er Spezialuhren wie Chronographen und Repetieruhren, sowie feinste Chronometer an.



aus "Deutsche Uhrmacher-Zeitung" Jg.1925

1905 lernte er den Chronometermacher Ferdinand Dencker (1838-1917), der eine eigene Firma namens "Chronometerwerke GmbH" in Hamburg besass (gegründet 1866), kennen. Dieser hinterließ bei Wille einen so grossen Eindruck, dass er seine eigene Werkstatt aufgab und dem großen Meister nach Hamburg folgte. Dort trat er in dessen Firma als Werkführer ein und blieb dort drei Jahre.



aus "Deutsche Uhrmacher-Zeitung" Jg.1932

Es folgten weitere Jahre der Wanderschaft. Zunächst (1908) verschlug es ihn als Regleur in die Schweiz zur "IWC" in Schaffhausen. Dort blieb er bis 1912. Anschließend ging er in gleicher Funktion für drei Jahre nach Biel zu "Omega". Insgesamt erzielte er 1200 Gangzeugnisse von den Sternwarten Neuchatel, Genf und Kew. Ausserdem erhielt er 1915/16 den Serienpreis für die sechs besteregulierten Bord- und Taschenchronometer beim Wettbewerb am Observatorium Neuchatel.
Danach arbeitete er als Betriebsleiter und Regleur in München bei Andreas Huber Jr.. Angesichts des kriegsbedingten Mitarbeitermangels richtete er hier auch eine Lehrwerkstatt ein. Ab 1918 war er für die Fabrik "Gebr. Thiel GmbH" in Ruhla tätig, bei der er konstruktive Arbeit für Zeitzünder leistete. Anschließend entwarf er dort auch das 15-steinige Uhrwerk für die "Thiela-Uhr".



aus "Deutsche Uhrmacher-Zeitung" Jg.1932

Am 31.12.1922 wurde in Lichtenfels die "Bayerische Taschenuhrenfabrik Lichtenfels GmbH" gegründet. Wille war von Anfang an der Technische Leiter. Die Firma stellte Uhrgestelle im Spritzgußverfahren her. Ausserdem stellte sie Taschenuhren mit Ankerwerken in mittlerer und feiner Qualität her. Uhren der Manufaktur waren mit "Bayern Praezision" oder "Bayern Praecision" gemarkt. Sie beschäftigte 70 Mitarbeiter.




1925 wurde die Firma umstrukturiert in die "Bayrische Uhrenindustrie, Lichtenfels". 1932 ging die Manufaktur in den Konkurs. Bereits 1926 siedelte Wille mit einem Stamm von Mitarbeitern nach Pforzheim um, um eine Taschenuhrfabrikation aufzubauen (Drusenbaum). Dieses gelang aber nicht.




Sein Weg führte ihn nun zu "Gerhard D. Wempe" in Hamburg, wo er das Reglage-Büro leitete und zu "Lacher & Co." in Pforzheim. Am 24 Dezember 1939 verstarb er im Alter von 74 Jahren.
Zu seiner uhrmacherischen größten Leistung zählte ganz sicher eine Weltzeituhr mit Geläut und Oratorienmusik, welche insgesamt 150 Zeiger, auf der Basis eines astronomischen Sekundenwerks, aufwies. Er baute sie im Jahr 1897. Ob sie noch existiert ist nicht bekannt.
Um die Jahrhundertwende wurde er für sein Engagement in der Ausbildung von Uhrmacherlehrlingen geehrt. Auf einer Industrieausstellung in Leipzig erhielt er für eine Uhr die Goldmedaille.
Es gibt eine Fülle von Patenten, die sich auf Feinmechanik beziehen. Aber auch als Fachschriftsteller war er tätig.

Einige seiner Patente: AT18762, AT22075, AT75789, CH29259, CH32709, CH52929, CH59064, CH68208, CH68210, CH75789, DE130097, DE144687, DE244910




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